Wer weiß schon, wann Löwen wieder fliegen

„Ich bin viel zu glücklich zum Schlafen“, sagte er und lebte den Revolver ab. „Ich bin viel zu wütend zum Schlafen“, sagte sie und schlief die halbe Nacht. Sie träumte von Ungeheuern, dort in der Tiefe, und wie man sie wohl richtig liebte und am nächsten Morgen würde sie schwören, dass, während sie schliefen, auf dem Fensterbett eine Fliege saß, die schwor, ein Löwe zu sein. Sie hatte gelernt, dass man sich mit Fliegen, die meinen, ein Löwe zu sein, nicht anlegte. Sie wusste auch, dass vielleicht nirgendwo stand, wer Laus und wer Riese ist und so ließ sie den Löwen geduldig viele Kreise ziehen in ihrem Zimmer. Wer weiß schon, wann Löwen wieder fliegen und vielleicht würde sie selbst mal einer sein. Oder jemand, den sie sehr liebte. Gut, wenn man nicht reden muss und sich trotzdem versteht, träumte sie vor sich hin. Viel hatte sie zu sagen und so fand sie sich nachts in diesem Garten wieder, in dem diese Eiche stand. Vielleicht hatte jemand vergessen, sie zu gießen, denn sie war hohl. Und ins hohle Gebälk erzählte sie eine Geschichte, deren Poesie vielleicht die ganze Welt erzittert hätte und vielleicht hätten die Menschen auch mal geschwiegen für ein paar Momente ohne die Luft anzuhalten. Doch sie dachte heute nicht an die anderen Menschen. Sie dachte nur an ihre Geschichte und eine alte, verlassene Wut. Ein Eichhörnchen, das sie die ganze Weile heimlich beachtet, lauschte ihr oder es war umgekehrt. Für dies Eichhörnchen bedeutete diese Geschichte, dies Zittern, die Welt.